Newsblog
„I love my prophet“ - Zwischen Lifestyle, Glauben und Mission. Islamische Jugendkulturen in Deutschland
Dienstag, 01. September 2009 um 00:00 Uhr
von Götz Nordbruch (ufuq.de)
(erschienen in "Unsere Jugend", Sep. 2009, S. 296-303)
„Muslim, jung und deutsch“ -- unter diesem Motto wirbt die Muslimische Jugend in Deutschland (MJD) für ihre Veranstaltungen. Der 1994 gegründete Verein bemüht sich nach eigener Darstellung darum, „muslimische Jugendliche zusammenbringen und diese dazu einzuladen, den Islam zu praktizieren und ihre Kenntnis des islamischen Glaubens zu erweitern und zu vertiefen“. Die MJD beschreibt sich selbst als „lebendig“ und „islamisch“ -- und wendet sich ausdrücklich gegen das Klischee einer Parallelgesellschaft, in die sich junge Muslime immer mehr zurückziehen würden. Als Verein deutscher Muslime befinde man sich im Gegenteil „mittendrin“ in der Gesellschaft -- und sei „hip, schließlich sind wir Jugendliche“ (Website der Muslimischen Jugend in Deutschland: Mjd-net.de).
Islamische Jugendkulturen im Plural -- und als Teil der hiesigen Gesellschaft
Mit ihrem selbstbewussten Bekenntnis zum Islam steht die MJD stellvertretend für eine jugendkulturelle Szene, die in den vergangenen Jahren entstanden ist. Den Vertretern dieser islamisch geprägten Jugendkultur geht es nicht allein um religiöse Unterweisung. Ausdrückliches Ziel ist eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Mit ehrenamtlichem Engagement in der Bildungs- und Jugendarbeit und öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie Blutspenden, dem Verteilen von belegten Brötchen an Obdachlose und der Organisation von Umwelttagen haben sich verschiedene Initiativen aus diesem Spektrum als Kooperationspartner in der kommunalen Arbeit etabliert (für Beispiele solcher Kooperationen siehe Muslimische Akademie in Deutschland/Beauftragter des Senats für Integration und Migration 2008). Der islamische Lifestyle, der von diesen Akteuren maßgeblich geprägt wird, beinhaltet dabei auch eine Botschaft an die nicht-islamische Umwelt: „Ich bin Muslim -- und als Muslim fordere ich einen Platz in der Gesellschaft!“
Medienspiegel: Kanzlermacher, Aussteigerprogramme für Islamisten, Zensur in Neukölln
Freitag, 28. August 2009 um 16:31 Uhr
Jugend, Medien, Schule
- Deutscher Rap mit muslimischer Botschaft
(deutsche-islam-konferenz.de, 27. Aug. 2009) - Gespräch mit der Bloggerin und Journalistin Kübra Yücel: „Etwas zurückgeben“
(islamische-zeitung.de, 25. Aug. 2009) - Erster Schultag. Datteln für die Erstklässler
(fr-online.de, 25. Aug. 2009) - Kaum Programme für Fundamentalisten: Der schwere Ausstieg aus der Islamisten-Szene
(netzeitung.de, 24. Aug. 2009) - Drogentherapie für männliche Muslime. Von menschlichen Makeln
(taz.de, 23. Aug. 2009) - Schul-Handreichung: Lehrer beim Thema Islam noch immer ratlos
(tagesspiegel.de, 17. Aug. 2009) - Homophobie: Maneo-Umfrage gezielt manipuliert?
(queer.de, 15. Aug. 2009)
Weiterlesen: Medienspiegel: Kanzlermacher, Aussteigerprogramme für Islamisten, Zensur in Neukölln
Native Deen: "Der Ramadan ist da"
Donnerstag, 27. August 2009 um 09:34 Uhr
"Ramadan is here" ist der Titel des aktuellen Lieds der amerikanischen Hiphop-Band Native Deen. Mit ihren explizit islamischen Botschaften ist die Gruppe auch vielen deutschen Muslimen ein Begriff.
Auch in dem neuen Lied spiegelt sich der Anspruch, die eigene Religiösität mit dem Alltag eines amerikanischen Jugendlichen in Verbindung zu bringen. "Unsere Musik ist amerikanisch, sie ist hipp, und jeder kann sich mit ihr wohlfühlen", sagt Joshua Salaam, einer der drei Bandmitglieder über die Lieder.
"Ramadan is here" gibt die Stimmung wieder, die auch viele junge Muslime in Deutschland mit dem Fastenmonat Ramadan in Verbindung bringen: Im Mittelpunkt steht das Gefühl der Gemeinschaft der Gläubigen und die festliche Vergewisserung des eigenen Glaubens. Im Lied heißt es:
"Ramadan vibrations, mehr Spenden. Einladungen zum Essen, viele Bitten.
Gutes Benehmen bedeutet einen besseren Ruf. Fang keinen Streit an, keine Provokation.
Keine Kämpfe, keine Diskussionen. Nimm Urlaub von Zwietracht und Drama.
Die Moschee ist gefüllt mit Gläubigen. Manche kommen nur für ihren jährlichen Besuch.
Andere kommen, um der Melodie der Rezitationen zu folgen. Die Offenbarung auswendig zu lernen.
Weniger Versuchungen, mehr Besinnung. Sich vorbereiten auf die Feier des Ids.
Man schüttelt viele Hände, tauscht Grüße aus, Salam Alaykums, Friede der Nation.
Die Welt ist eins, vergiss die Spaltungen. Ein neuer Ramadan - Herzlichen Glückwunsch!"
Neue Ausgabe des Newsletters "Jugendkultur, Religion und Demokratie. Politische Bildung mit jungen Muslimen"
Dienstag, 25. August 2009 um 11:29 Uhr
Die neue Ausgabe des Newsletters "Jugendkultur, Religion und Demokratie. Politische Bildung mit jungen Muslimen" ist erschienen.
In dieser Ausgabe geht es um folgende Themen:
Nichts essen, nichts trinken - und trotzdem Klausuren schreiben? Ramadan und Schule
"Glaubenswahrheiten" im Religionsunterricht? Eine Diskussion um das Schulbuch Saphir
"Ultrahass" gegen den Islam? Reaktionen auf den Mord an Marwa El-Sherbini in Dresden
Islamischer Lifestyle
„Wer sind die Ungläubigen?" Islamische Diskussionen um den Begriff des "kufr"
"Cooles Zeltlager" in islamischer Atmosphäre
"Unsere Hadithe"? Junge Deutsch-Türken diskutieren über belgisch-türkischen Popstar
Junge Schiiten in Deutschland und die Wahlen im Iran
"Radikale Reform". In seinem neuen Buch fordert Tariq Ramadan eine zeitgemässe Lesart des Islam
Sie können diesen kostenlosen Newsletter in der linken Spalte dieser Seite abonnieren. Der Newsletter steht Ihnen auch als pdf-Datei zum download zur Verfügung.
Medienspiegel: Sufi-Orden, Monrose, Lepsius-Gedenkstätte
Samstag, 15. August 2009 um 16:54 Uhr

Jugend, Jugendkultur, Medien
- Türken und Fernsehen: Warum guckst du nicht ARD?
(stern.de, 14. Aug. 2009) - Sektenberatung für Muslime: Der verlorene Sohn
(taz.de, 13. Aug. 2009) - Bürgerengagement: Die guten Paten von Neukölln
(taz.de, 13. Aug. 2009) - Neukölln: Girl Power und Respekt gegen die leidigen Vorurteile
(neues-deutschland.de, 8. Aug. 2009) - Soziales Netzwerk für Muslime. Allahs digitale Gemeinde
(taz.de, 7. Aug. 2009) - Video: Ich bin eine marokkanische Hessin! – Senna Guemmour
(ZDF-Wort zum Freitag, 6. Aug. 2009) - Merve – eine junge türkische „Schwäbin“
(augsburger-allgemeine.de, 6. Aug. 2009) - Junge Musliminnen Österreichs: „Wir machen es anders“
(furche.at, 5. Aug. 2009) - Video: Muslim sucht Muslimin
(ZDF-Wort zum Freitag, 31. Juli 2009)
Weiterlesen: Medienspiegel: Sufi-Orden, Monrose, Lepsius-Gedenkstätte
Sami Yusuf über Musik, Religion und Identität: „Gott liebt Schönheit“
Freitag, 14. August 2009 um 09:40 Uhr
Sami Yusuf ist auch unter deutschen Muslimen ein Star. Der britische Sänger ist vielleicht der prominenteste Vertreter des Pop-Islam, jener Strömung, die modernen Lifestyle mit Religiösität und Frömmigkeit in Einklang bringen will. Yusuf wurde in Teheran geboren, spricht mehrere Sprachen --- und füllt Konzertsäle in Deutschland wie in der Türkei. (Hier geht es zu seiner Website.)
Seine Alben, in denen religiöse Themen im Mittelpunkt stehen, wurden millionenfach verkauft. Dabei greift er immer wieder auch aktuelle politische Themen auf, zum Beispiel den Konflikt in Darfur oder den Krieg in Gaza. Das Lied „Palestine Forever“, das er anlässlich des Krieges in Gaza im Januar 2009 schrieb, brachte die Stimmung vieler Muslime auch in Deutschland auf den Punkt.
In einem sehenswerten Gespräch mit dem britischen Talkmaster Riz Khan von Al-Jazeera English erzählt Sami Yusuf von seiner Musik, seiner Kindheit in Großbritannien und seinem Verhältnis zu Fragen der Identität und Religion.
Erster Teil:
Weiterlesen: Sami Yusuf über Musik, Religion und Identität: „Gott liebt Schönheit“
Bertelsmann-Studie über Migranten in Deutschland: Zwischen den Stühlen?
Donnerstag, 13. August 2009 um 21:59 Uhr
Über Einstellungen und Erfahrungen von Migranten in Deutschland gibt es bisher wenig Forschungen. Die Studie „Zuwanderer in Deutschland“, die kürzlich von der Bertelsmann-Stiftung vorgestellt wurde, bietet daher interessante Ergebnisse. Die Studie basiert auf über 1.500 Interviews, die mit Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion, dem ehemaligen Jugoslawien, Polen, Italien, Spanien und Griechenland geführt wurden.
Die Studie stellt die oft geäußerte Vorstellung in Frage, Migranten würden unter Identitätskonflikten leiden und sich in ethnisch homogenen Parallelgesellschaften zurückziehen. Nach den Ergebnissen der Befragung sehen sich viele Migranten keineswegs vor einer Wahl zwischen Deutschland und dem Herkunftsland. Ihnen geht es vielmehr um ein Nebeneinander beider Bezugspunkte – sie sitzen nicht zwischen zwei Stühlen, sondern auf beiden zugleich.
So heißt es in der Studie, „41 Prozent (der Befragten) fühlen sich Deutschland und ihrem Heimatland gleichermaßen verbunden. Die meisten Zuwanderer empfinden diese doppelte Verbundenheit als Vorteil und empfinden keinen Identitätskonflikt. Drei Viertel von ihnen möchten die Werte und Traditionen aus der Herkunftsgesellschaft mit Werten und Traditionen in Deutschland verbinden. Nur eine kleine Minderheit (sieben Prozent) will sich vollständig assimilieren. Neben der Identifikation mit Deutschland und dem Herkunftsland spielt auch Europa eine Rolle. Die Verbundenheit mit Europa ist bei Zuwanderern mit 34 Prozent deutlich höher ausgeprägt als bei der Bevölkerung insgesamt (13 Prozent).“
Dabei gibt es allerdings deutliche Unterschiede bezüglich der Herkunftsländer der Befragten. Sowohl türkisch- als auch russischstämmige Migranten fühlen sich demnach in Deutschland weniger anerkannt als Migranten aus anderen Herkunftsländern. So fühlen sich 24% der Migranten türkischer Herkunft fremd in Deutschland, während diese Einschätzung von nur 14% aller Migranten geteilt wird.
Medienspiegel: Schalke, Dresden, Quartiersmanagement
Freitag, 07. August 2009 um 11:00 Uhr
Der Prophet auf Schalke
- Fan-Club kann Aufregung um Schalke-Lied nicht verstehen
(derwesten.de, 6. Aug, 2009) - Kommentar von Edo Reentz: Das ist fair, nicht foul
(faz.de, 5. Aug. 2009) - Kommentar von Bekir Altas: Der Prophet hätte gelächelt
(migazin.de, 5. Aug. 2009) - Die Schalke-Hymne bleibt
(sueddeutsche.de, 5. Aug. 2009) - Kommentar von Aiman Mazyek: Lachen wir mit dem Propheten
(islam.de, 5. Aug. 2009) - Kommentar von Harry Nutt: Den Ball flach halten
(fr-online.de, 5. Aug. 2009) - „Muslim-Markt“-Betreiber rudert nach Schalke-Schelte zurück
(dk-online.de, 4. Aug. 2009) - Der Prophet auf Schalke
(sueddeutsche.de, 3. Aug. 2009)
Weiterlesen: Medienspiegel: Schalke, Dresden, Quartiersmanagement
Ramadan: Zwischen spirituellem Erlebnis und „Rechenschaftsberichten“
Freitag, 07. August 2009 um 09:36 Uhr
Der Ramadan ist für Muslime ein Erlebnis – und zwar ein frohes und lang erwartetes. Die Enthaltsamkeit und das Fasten während des Ramadan, der dieses Jahr vom 22. August bis zum 20. September begangen wird, ist eine Gelegenheit, sich des eigenen Glaubens zu vergewissern. Der Ramadan ist nicht Last und Zwang, wie man als Nicht-Muslim vielleicht vermuten könnte. Die Enthaltsamkeit steht vielmehr für eine positive Überwindung des "nafs", des eigenen Egos. (Siehe nebenstehenden Ankündigung einer Geschenkstickeraktion des Modelabels Style-Islam.)
Im Ramadan geht es schließlich nicht so sehr um Verbote und die Einhaltung von Regeln als um ein spirituelles Erlebnis, das sehr viel auch mit dem Gefühl der Gemeinschaft zu tun. So ist das gemeinsame Fastenbrechen in der Familie und unter Freunden ein Ritual, das nicht nur von Kindern erwartungsvoll begangen wird. Mit den Einschränkungen einer Diätkur hat der Ramadan für die meisten Muslime kaum etwas gemein.
Gerade deshalb sind die „Zielkontrollen“ und „Rechenschaftslisten“ interessant, die kürzlich von der Berliner Nur-Moschee verschickt wurden. Mit diesen Tabellen kann man sich Rechenschaft über das eigene Verhalten während des Ramadan abgeben. Hat man sich zum Beispiel „überflüssigem Gerede“ enthalten, gibt es in der Tabelle ein „+“, während es mit einem „-“ zu Buche schlägt, wenn einem tagsüber die „Zunge außer Kontrolle“ geriet.
Weiterlesen: Ramadan: Zwischen spirituellem Erlebnis und „Rechenschaftsberichten“
Muslim-Markt: Verhöhnt Schalke 04 den Propheten Muhammad?
Mittwoch, 29. Juli 2009 um 14:01 Uhr

„Mohammed war ein Prophet
Der vom Fußballspielen nichts versteht
Doch aus all der schönen Farbenpracht
Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht“
So lautet die nicht eben kunstvolle dritte Strophe des Vereinsliedes von Schalke 04. Sie wird offenbar nicht oft gesungen. Sonst wäre womöglich früher aufgefallen, was jetzt in ein paar Internetforen junger religiöser Muslime aufgegriffen wird und den Betreiber des so bekannten wie umstrittenen Portals Muslim-Markt, Yavuz Özoguz, zu einem Beitrag inspiriert hat: Wird hier womöglich der Prophet oder der Islam insgesamt beleidigt?
Für Özoguz ist die Sache klar. Er beschreibt die Strophe im Vereinslied von S04 als Teil einer „Beleidigungsorgie“: „Inzwischen haben sich Muslime in Deutschland ja an so manche Beleidigung und selbst Hetze auf Hofberichterstatterniveau wie auch von Politikern gewöhnt. Dass aber auch ein Bundesligaverein, der viele muslimische Fans haben dürfte, in diese Beleidigungsorgie einsteigen muss, ist traurig – aber nicht neu!“
Weiterlesen: Muslim-Markt: Verhöhnt Schalke 04 den Propheten Muhammad?
Seite 8 von 40

Wenn Sie sich unser RSS-Lesezeichen anlegen wollen, klicken Sie bitte


