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Mit der extremen Rechten für die Befreiung? Aufrufe zum diesjährigen al-Quds-Tag

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Die Proteste gegen die NPD-Demonstration in Hamburg am heutigen Freitag wurden auch von islamischen Vereinen unterstützt. So rief die SCHURA – Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V. dazu auf, sich an der Protestkundgebung gegen den Neonazi-Aufmarsch zu beteiligen.

Eine andere Form der Solidarität bekundete hingegen die rechtsextreme Berliner DVU. Auf ihrer Webseite warb die DVU um eine Beteiligung am diesjährigen Al-Quds-Tag, der am 12. September in Berlin begangen wird. Der „Jerusalem-Tag“ wurde 1979 von Ayatollah Khomeini ausgerufen und wird seitdem auch in vielen europäischen Städten am letzten Freitag des Ramadans befolgt. In Berlin nahmen in den vergangenen Jahren teilweise über 1.000 Personen an den Demonstrationen teil, an denen sich nicht nur schiitische, sondern vereinzelt auch sunnitische und säkular-nationalistische Akteure beteiligten. (Siehe zum Beispiel einen Aufruf des aus Tunesien stammenden Islamisten Al-Hedi Brik vom vergangenen Herbst.)

Der Quds-Tag ist wichtiger Bestandteil der antisemitischen Weltsicht, die von der iranischen Führung auch nach dem Tod Khomeinis vertreten wird. Der Konflikt um Palästina ist danach die wesentliche Ursache für die unterschiedlichsten Probleme, mit denen die heutigen Gesellschaften nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit konfrontiert wären. Diese Sichtweise wird auch in einem Video des islamischen Online-Portals Muslim-Markts deutlich, in dem Teilnehmer des Quds-Tages über ihre Motivation, an den Protesten teilzunehmen, Auskunft geben. Auch hier gilt die "Befreiung Palästinas" von israelischer Besatzung als wichtigste Hürde bei der Schaffung einer besseren Welt.

Im aktuellen Aufruf zum Quds-Tag in Berlin heißt es dementsprechend:

„Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen für das PROBLEM unserer Weltgemeinschaft: ‚das internationale Finanzkapital‘, ‚Imperialismus‘, (arab.) ‚Istikbar‘, ‚der große Satan und seine Verbündeten‘, ‚globalisierte Macht‘ usw. Man mag es bezeichnen, wie man möchte. Die Basen des PROBLEMS liegen in den USA, England und Israel. Das Volk Palästinas bekommt seit über 60 Jahren die unmenschliche Dimension dieser Machtkonstellation am intensivsten zu spüren.“

Der Konflikt um Palästina steht hier ausdrücklich stellvertretend für andere Auseinandersetzungen und Probleme, für die "der Zionismus" und dessen vermeintliche Hintermänner weltweit verantwortlich gemacht werden.

Diese Beschreibung Israels als Grundübel der Menschheit bietet den Anknüpfungspunkt für rechtsextreme Strömungen. „Wie wir wohlwollend den Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Venezuela, Rußland und den Iran verfolgen, sehen wir uns auch solidarisch mit den Opfern der zionistischen Besatzung in Palästina“, heißt es dazu beispielsweise im aktuellen Aufruf der DVU, sich am Samstag den Organisationen aus einem überwiegend schiitisch-islamistischen Spektrum anzuschließen.

„Der Zionismus ist zudem eine Frage von weltweitem Ausmaß, welches den Lebensnerv aller Völker berührt. Der internationalistische Schulterschluß aller Patrioten ist deshalb mehr als angebracht. Uns ist es ein Herzensanliegen auf die am kommenden Sonnabend in Berlin stattfindende Demonstration zum Jerusalem-Tag hinzuweisen und dazu aufzurufen, sich dieser in Würde anzuschließen.“

Zu den ideologischen Hintergründen des Quds-Tages siehe auch ein Gutachten von Udo Wolter. Zur Bedeutung des Antisemitismus als ideologischem Bindeglied zwischen islamistischen und radikalen arabisch-nationalistischen Strömungen auf der einen und rechtsextremen Organisationen auf der anderen Seite, siehe einen Beitrag hier im Newsblog.