Newsblog
Islamische Mode: "Jeder Jungdesigner träumt von einer Stelle bei H&M oder Wunderkind"
Sonntag, 24. April 2011 um 11:48 Uhr
Islamische Mode ist eine Nische auf dem Modemarkt - und dies, obwohl nach einer Studie der Deutschen Islam Konferenz (DIK) 72% der Musliminnen in Deutschland kein Kopftuch tragen. Unter den Mädchen und jungen Frauen zwischen 16 und 25 Jahren sind es sogar 80% – nur jede Fünfte trägt also ein Kopftuch. (siehe dazu hier) Das hängt auch damit zusammen, dass die Ansichten, was islamisch-korrekte Kleidung eigentlich ausmacht, unter Muslimen weit auseinandergehen. Für viele Musliminnen spielt das Tragen des Kopftuchs für ihren Glauben keine Rolle. (zur Diskussion um die Kleiderregeln siehe hier) Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren ein Markt für islamische Mode etabliert.
Meriem-Sarah Abdel-Haq hat im Juli 2010 ihren Abschluss in Mode und Design an der Balthasar-Neumann-Schule in Bruchsal gemacht. Die 23-jährige Muslimin möchte moderne Mode mit islamischen Kleidervorschriften verbinden. Dabei hält sie, im Unterschied zu vielen anderen Muslimen, an einer wortgetreuen Auslegung fest. Die Regeln gelten aus ihrer Sicht heute wie vor 1.400 Jahren. Mittlerweile arbeitet sie mit einer Freundin an einer eigenen Kollektion.
Frau Abdel-Haq, Sie sind eine der ersten muslimischen Modedesignerinnen in Deutschland, und Sie betonen, dass Ihnen der Islam auch in der Arbeit wichtig ist. Machen Sie denn islamische Mode – oder Mode für Muslime?
Ich möchte Mode und Islam miteinander in Einklang bringen und die Trends aus dieser neuen Sicht interpretieren. Für die islamische Kleidung gibt es Regeln, die seit 1.400 Jahren gelten und sich nicht ändern. Was sich jedoch ständig ändert, ist die Mode. Um aktuelle Mode auch für Muslime tragbar zu machen, darf man die Regeln bezüglich islamischer Kleidung aber auf keinen Fall außer Acht lassen. Dies ist natürlich nicht immer leicht, aber es gibt viele muslimische Frauen, die diese Regeln einhalten möchten ohne auf aktuelle Trends zu verzichten.
Welche Regeln gibt es denn, denen Sie sich als muslimische Designerin gebunden sehen?
Bei der Alltagskleidung orientiere ich mich an den islamischen Vorgaben: die Kleidung darf nicht zu körperbetont oder transparent sei. Bei der Wahl der Farben und der Silhouette darf man nicht übertreiben, und außer den Händen und dem Gesicht muss der ganze Körper bedeckt sein. Bei der festlichen Kleidung sind die Regeln etwas weniger streng, da Musliminnen ja kulturbedingt meist unter sich feiern. Daher kann ein Abend- oder Cocktailkleid in anderen Längen, Silhouetten und Farben gestaltet werden.
Designen Sie auch andere Dinge - zum Beispiel Accessoires oder Sportbekleidung?
Ich arbeite gerne kreativ, ohne mich dabei auf eine bestimmte Kleidungsart zu beschränken. Es gibt viele andere schöne und gleichzeitig auch nützliche Sachen. Mit Sportbekleidung – oder vielmehr mit dem Mangel an Sportbekleidung – habe ich selbst meine Erfahrungen machen müssen. Als ich anfing, mich islamisch zu kleiden, gab es auf einmal nichts mehr, was ich zum Volleyball tragen konnte. Irgendwann bin ich dann nicht mehr hingegangen.
Mode richtet sich doch meist an andere, oder ist dies bei islamischer Kleidung anders? Würde ich dann nicht durch das Tragen modischer Kleidung gegen das Gebot verstoßen, sich dezent zu kleiden?
Damit vertreten sie die westliche Sicht. Diese Meinung habe ich schon oft gehört, aber wer legt denn eigentlich fest, dass sich Mode an andere richtet? Muslimen geht es nicht darum, ein bestimmtes Bild nach außen zu tragen oder gar aufzufallen. Man möchte lediglich den Körper bedecken, um Allah damit zu dienen. Das spricht aber nicht dagegen, dass diese "Bedeckung" schön sein kann. Es sollte doch die individuelle Persönlichkeit sein, nach der jemand entscheidet, welche Kleidung er oder sie trägt. Ich finde es schade, wenn sich Menschen in einer bestimmten Weise kleiden, nur um anderen zu gefallen.
Stellen Sie sich vor, H&M würde Ihnen einen Job als Designerin für islamische Entwürfe anbieten? Hätten Sie Interesse daran?
Ich denke, jeder Jungdesigner träumt von einer Stelle bei H&M oder bei Wunderkind. Für mich wäre es eine sehr große Chance, Muslime aus aller Welt mit meinen Entwürfen zu erreichen... Schöne Vorstellung! Am liebsten würde ich aber bei Rabia Z. arbeiten, einer Marke aus Dubai. Ich denke, große Modeunternehmen wie H&M, C&A oder ZARA sollten diese Marktlücke unter Muslimen nutzen.
Foto: Marcel Krebs


Wenn Sie sich unser RSS-Lesezeichen anlegen wollen, klicken Sie bitte


